Einfach bezaubernd, filigran und lebensfroh: Die Glaskunst an der Glasstraße

25 Geschichten rund um das Thema Glas

Erfahrt jetzt mehr ĂŒber unsere Glasgeschichte im Bayerischen Wald und OberpfĂ€lzer Wald: Mit unseren Stories zum 25jĂ€hrigen JubilĂ€um der Glasstraße, welches 2022 gefeiert wurde.

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Phantasie, Kunst, Innovation, Design, Hightech, weltweite Kunden, aber auch touristische Attraktion, Tradition, Historie, Handwerk, Heimatverbundenheit, GemeinschaftsgefĂŒhl – die einzelnen Bedeutungen all dieser Begriffe sind sehr unterschiedlich. Zusammengenommen passen sie alle aber hervorragend, um einen Werkstoff und das dazugehörende GefĂŒhl zu charakterisieren, der im OberpfĂ€lzer Wald und im Bayerischen Wald viel mehr ist als „nur“ ein Material. Er ist gleichzeitig LebensgefĂŒhl, „TĂ€glichbrot“, Identifikationsobjekt, ja fĂŒr manche gar Lebensinhalt: Glas! Diese breite Palette an Eigenschaften, aber auch an Fakten und Emotionen wollen wir  mit diesen 25 Geschichten herausstellen. Sie stehen aber nur symbolhaft fĂŒr viele weitere „Stories“, die es lohnen, erzĂ€hlt zu werden. 

Ostbayerisches Glas lÀsst die Welt in mehr als 5.000 Farben leuchten

Die GlashĂŒtte Lamberts aus Waldsassen im Landkreis Tirschenreuth ist heute WeltmarktfĂŒhrer fĂŒr traditionell gefertigtes, mundgeblasenes Flachglas und einer der wenigen Hersteller auf dem Globus, die dieses Handwerk noch beherrschen. 

Sie rĂŒcken die Frauenkirche in Dresden ins rechte Licht, strahlen im Kölner Dom und funkeln in den Luxus-Lounges von FlughĂ€fen und Konzernzentralen rund um den Globus — mundgeblasene FlachglĂ€ser aus dem OberpfĂ€lzischen Waldsassen. Dort produziert die GlashĂŒtte Lamberts seit ĂŒber hundert Jahren hochkomplexe Farbglastafeln, die immer noch so hergestellt werden, wie einst im Mittelalter, als in ganz Europa mĂ€chtige Kirchenbauten mit strahlenden, bunten Fenstern entstanden. 

Heute ist Lamberts WeltmarktfĂŒhrer fĂŒr traditionell gefertigtes Fensterglas und einer von zwei Herstellern auf dem Globus, die dieses Handwerk noch beherrschen. 2016 gelang der TraditionshĂŒtte ein besonderer Coup: Nach jahrelangen BemĂŒhungen nahm die Deutsche UNESCO-Kommission die Flachglasfertigung von Hand in die Liste des nationalen Kulturerbes auf. 

Auch Londons berĂŒhmtestes Wahrzeichen ist seit Neuestem, zumindest zum Teil ein OberpfĂ€lzer: Mit dem Abschluss der Big- Ben-Sanierung im Jahr 2021 strahlen auch die vier gigantischen ZifferblĂ€tter in neuem Glanz. Jedes der riesigen Mosaike hat sieben Meter Durchmesser und besteht aus mehr als 300 einzelnen, mundgeblasenen Glasscheiben aus dem Hause Lamberts. 
Der Auftrag fĂŒr den Big Ben — er umfasste rund 1.300 je rund 60 Mal 90 Zentimeter große Scheiben — war nicht das erste GeschĂ€ft, das Lamberts mit den Briten machte: Sogar fĂŒr die englische Königin Elisabeth II. haben die ostbayerischen Glasmacher schon die Scheiben fĂŒr ein prĂ€chtiges Kirchenfenster gefertigt. Es war ein Geschenk des englischen Parlaments zum 60. ThronjubilĂ€um der Queen und hĂ€ngt heute im Westminster-Palast, dem Sitz des englischen Parlaments. 
Seit rund 2.000 Jahren beherrscht der Mensch die Kunst des Glasblasens und seit etwa 800 Jahren gibt es Fensterglas. Auch wenn Glas inzwischen ĂŒberwiegend maschinell produziert wird — in Waldsassen im OberpfĂ€lzer Wald lebt das Glasmacher-Handwerk bis heute weiter. 

In der 1906 gegrĂŒndeten GlashĂŒtte Waldsassen haben die Glasmacher diese traditionellen Fertigungsmethoden erhalten und perfektioniert. Mit 70 Mitarbeitern und einer Exportquote von ĂŒber 75 Prozent ist das mittelstĂ€ndische Unternehmen aus der nördlichen Oberpfalz heute Deutschlands einziger Hersteller und gleichzeitig WeltmarktfĂŒhrer. 

FĂŒr die traditionelle Herstellung von Glas werden Quarzsand, Soda und Kalk vermischt - je nach Art des Glases in unterschiedlichem VerhĂ€ltnis. Anschließend wird das Gemisch im Hafenofen geschmolzen und dann mit der Glasmacherpfeife von einem Meister mit viel Geschick und Erfahrung zu einem Zylinder geblasen. 
Dieser Zylinder wird schließlich der LĂ€nge nach aufgeschnitten und zu einer flachen Glasscheibe gestreckt. 

Das Besondere an der traditionellen Glaskunst aus Ostbayern: die Lamberts-FlachglĂ€ser lassen sich in jeder nur denkbaren Farbe herstellen. 

Über 5.000 Farbmischungen sind in der GlashĂŒtte Lamberts verfĂŒgbar, weit mehr als irgendein anderer Glashersteller liefern kann. Die scheinbar unendliche Farbvielfalt wird durch fein dosierte Beigaben von Gold und Silber, Eisen, Kupfer, Nickel und anderen Metallverbindungen erreicht. 

FĂŒr ihre herausragenden Verdienste in der europĂ€ischen Denkmalpflege ist die GlashĂŒtte Lamberts bereits mehrfach ausgezeichnet worden. So wurde die Waldsassener Glasmanufaktur 2015 in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen. 2016 gelang der TraditionshĂŒtte ein besonderer Coup: Nach jahrelangen BemĂŒhungen nahm die Deutsche UNESCO-Kommission die Flachglasfertigung von Hand in die Liste des nationalen Kulturerbes auf. 
Auf ihrem Weg in die Zukunft setzt Lamberts neben Tradition auf Innovation: Seit 2021 arbeiten die Glasmacher mit einem neuen, hochmodernen Schmelzofen. Ein besonderes Denkmalschutz- Isolierglas und ein spezielles mundgeblasenes UV-Schutz-Glas begeistern Architekten und Restauratoren. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird bei Lamberts großgeschrieben: Die energieintensive Fertigung folgt neuesten Umweltstandards. 
www.lamberts.de 
www.tourismus.waldsassen.de

GlĂ€serne "Mini-Safes" fĂŒr Milliarden Corona-Impfdosen

Es sind wenige Milliliter einer transparenten FlĂŒssigkeit, die der Welt neue Hoffnung geben: Seit der Zulassung der ersten Impfstoffe gegen das Corona-Virus Ende 2020 gab es Licht am Ende des Tunnels der Pandemie. Eine ostbayerische GlashĂŒtte sorgt seitdem weltweit maßgeblich dafĂŒr, dass die Vakzine Impfzentren und Arztpraxen sicher erreichen:  â€žJede zweite Impfdosis weltweit steckt in einem Glasrohr der Schott AG und zwei Drittel davon kommen aus Mitterteich“, sagt Stefan Rosner, der Standortleiter des Schott-Glaswerks in Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) in der nördlichen Oberpfalz. 
 

Zum Einsatz kommt dabei ein hochreines Borosilikatglas, das vor mehr als 130 Jahren von FirmengrĂŒnder Otto Schott entwickelt wurde. Das Material schĂŒtzt als eine Art „glĂ€serner Mini-Safe“ das Impfserum vor jeglichen Wechselwirkungen mit dem BehĂ€lter. 
Schott unterstĂŒtzte den Kampf gegen COVID-19 nach eigenen Angaben bisher bereits mit PharmaflĂ€schchen fĂŒr rund zwei Milliarden Impfungen. Der Hersteller traf frĂŒh Lieferabkommen mit fĂŒhrenden Pharmaunternehmen – darunter auch Teilnehmer der so genannten „Operation Warp Speed“, der von der US-Regierung ins Leben gerufenen Initiative zur Herstellung von Impfstoffen gegen das neue Corona-Virus. 

Die Geschichte der Glasproduktion in Mitterteich reicht bis in das Jahr 1883 zurĂŒck. Im Jahr 1930 wurde das Glaswerk in Mitterteich der Schott AG gemeinsam mit dem Werk GrĂŒnenplan der Deutschen Spiegelglas AG angegliedert. 1885 erfand Otto Schott das chemisch resistente Borosilikatglas, das auch in Röhrenform hergestellt wurde. 1911 wurde ein Glasrohr entwickelt, das sich besonders gut zur Herstellung von Ampullen eignete. Das Glas wurde 1911 unter dem Markennamen Fiolax registriert und ist bis heute eines der wichtigsten Produkte der Schott AG am Standort Mitterteich. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den Jahren 1947 bis 1948, wurde in Mitterteich mit der Produktion von Fiolax-Glasröhren begonnen. 1961 entschied Schott, Mitterteich als Standort der Glasrohr-Produktion auszubauen und zu modernisieren. 
1969 vereinbarten Vertreter der heutigen Schott AG und der Glaswerke Ruhr AG die GrĂŒndung eines gemeinsamen Tochterunternehmens. Dessen Sitz, die Verwaltung und der Vertrieb wurden 1972 nach Bayreuth verlegt. 1990 erhielt das Unternehmen den Namen Schott-Rohrglas GmbH. 2001 entstand in Mitterteich ein neues VerwaltungsgebĂ€ude. Vor zehn Jahren, 2012, wurde die Schott-Rohrglas GmbH mit ihrem Mutterkonzern, der Schott AG, verschmolzen. 

Das Unternehmen produziert heute glĂ€serne Röhren, StĂ€be und Profile aus rund sechzig Spezialglasarten. Mit ĂŒber 1.000 BeschĂ€ftigten ist der Standort der Schott AG einer der grĂ¶ĂŸten Arbeitgeber in der nördlichen Oberpfalz. In Mitterteich befindet sich der grĂ¶ĂŸte Standort der Business Unit Tubing. 
www.schott.com
www.mitterteich.de

300 Jahre Handwerkstradition: Glasofenbauer von Weltruf

Um Glas schmelzen, formen und bearbeiten zu können, braucht es vor allem eins: Hitze. Ab etwa 600°C (je nach Glasart) erweicht das Glas und beginnt sich zu verformen, ab zirka 1.500°C ist es so weich, dass es flĂŒssig zu sein scheint. Viele der gigantischen Glasschmelzöfen, die bis heute weltweit im Einsatz sind, stammen aus einer kleinen Gemeinde in der Oberpfalz: aus PlĂ¶ĂŸberg im Kreis Tirschenreuth im OberpfĂ€lzer Wald. 
 

Bereits 1719 wird in einer Aufzeichnung der Maurermeister Hans Georg Horn aus PlĂ¶ĂŸberg genannt, der eine Schmelzofen-Reparatur in der nahegelegenen AltglashĂŒtte vornahm. Bis zur vollen BlĂŒte dieser Handwerkstradition sollte es aber noch mehr als 100 Jahre dauern. Die PlĂ¶ĂŸberger konzentrierten sich auf die Bearbeitung von feuerfestem Steinmaterial in Kombination mit dem Bau von Glasschmelzöfen – ein Handwerk, das sie bald perfekt beherrschten. In der Umgebung waren zu dieser Zeit bereits zahlreiche GlashĂŒtten entstanden. Die Glasöfen wurden damals nur mit Holz beheizt. Ein Glasofen hielt meist nur einen Sommer. Hatte ein GlashĂŒttenbetreiber zur damaligen Zeit einen „kalten Ofen“, so musste der schadhaft gewordene Ofen abgerissen und neu aufgebaut werden. Dazu rief man die PlĂ¶ĂŸberger Ofenbauer oder wie sie auch genannt wurden, die Ofenmaurer. 
Schon zu dieser frĂŒhen Zeit, so ist in alten Chroniken nachzulesen, wanderten die Glasofenbauer in die benachbarten GlashĂŒtten in Böhmen, im Bayerischen Wald oder in ThĂŒringen. Diese TĂ€tigkeit war eine Saisonarbeit und nur in den Sommermonaten möglich. Im FrĂŒhjahr zogen die PlĂ¶ĂŸberger Ofenmaurer zu Fuß los und wanderten lĂ€ngs des OberpfĂ€lzer WaldgĂŒrtels von einer GlashĂŒtte zur anderen. Monatelang waren sie oft bis zum Herbst in Gruppen von 10 bis 20 Mann unterwegs. 
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts stellten die GlashĂŒtten ihre Feuerung von Holz auf Kohle um. Mit der Eisenbahn ließen sich Kohle, Rohstoffe und Glasprodukte in großen Mengen schnell zu neuen Standorten transportieren. 

Das bereitete die Grundlage fĂŒr den Siegeszug der PlĂ¶ĂŸberger Ofenbauer auf der ganzen Welt: 

Aus Schweden, England, Frankreich, Spanien, Italien und vom Balkan ereilte sie der Ruf. Selbst nach Russland und Persien ließ man sie kommen. Sie fuhren ĂŒber die Ozeane nach Amerika und nach Ostasien. 
PlĂ¶ĂŸberg hat mit dem Glasofenbau ein herausragendes, handwerkliches und inzwischen hochtechnisches Gewerbe ĂŒber Jahrhunderte behaupten und weiterentwickeln können, heißt es in der Ortschronik. 

Die Geschichte der „PlĂ¶ĂŸberger Ofenmaurer“ erzĂ€hlt heute das Glasschmelzofen-Museum im Rathaus der Gemeinde unter anderem mit Modellen von zwei Öfen, Werkzeugen, PlĂ€nen, Dokumenten und Bildern. 

Eine Glasausstellung zeigt eine große Anzahl von hochwertigen Exponaten, die in Glasschmelzöfen der PlĂ¶ĂŸberger Ofenbauer hergestellt wurden. www.ploessberg.de

Weiden in der Oberpfalz: Tischkultur mit großer Geschichte

Wer Weiden in der Oberpfalz besucht, findet dort imposante Zeugen eines Baubooms, den der Aufstieg der Stadt zur Industriemetropole ausgelöst hat: Weiden erhielt 1863 einen Bahnanschluss, der Glas- und Porzellanbetriebe von Weltrang aufblĂŒhen ließ. In Weiden inmitten des OberpfĂ€lzer Waldes waren es vor allem Flachglas und Industrieglas, die im großen Stile die MĂ€rkte eroberten. 
 

Bis heute ist Weiden eine wichtige ProduktionsstĂ€tte des Unternehmens Nachtmann, das weltweit fĂŒr feinstes Kristallglas aus Bayern steht. Das Werk gibt es seit knapp 40 Jahren. 
Nachtmann selbst hat seinen Unternehmenssitz in der Nachbargemeinde Neustadt an der Waldnaab. 
Große Tischkultur ist seit jeher auch in der mittleren Oberpfalz zu Hause:  Weiden gilt als Stadt des Porzellans. 

Der bereits erwĂ€hnte Anschluss Weidens an das Eisenbahnnetz 1863 und der dadurch ermöglichte gĂŒnstige Transport von Rohmaterialien fĂŒhrte dazu, dass der Chemiekaufmann August Bauscher aus Hanau, der als Teilhaber einer Porzellanfabrik in Tirschenreuth die Herstellung des Porzellans selbst erlernt hatte, mit seinem Bruder Conrad Bauscher, der von Haus aus Konditor war und ĂŒber eine große technische Begabung verfĂŒgte, im Jahr 1881 in Weiden eine Fabrik fĂŒr Hotelporzellan aufbaute. Dort arbeiteten 1925 mehr als 1.400 Menschen. Die große Bauscher-Porzellantradition lebt heute unter dem Dach der BHS tabletop AG weiter — das B steht darin fĂŒr Bauscher. 
Eng verbunden mit Weiden ist der Name Seltmann, das bis heute fĂŒr Markenporzellan von höchster GĂŒte und fĂŒr höchste AnsprĂŒche steht: Christian Seltmann erwarb im Jahr 1910 in der Pressather Straße in Weiden ein GrundstĂŒck und legte dort den Grundstein fĂŒr sein eigentliches Lebenswerk, die Porzellanfabrik Christian Seltmann fĂŒr Gebrauchs- und Luxusporzellan. Zur Porzellanfabrik Christian Seltmann GmbH Weiden gehören auch Marken wie die die Kgl. priv. Porzellanfabrik Tettau und seit den 1990-er Jahren auch drei ThĂŒringer Porzellanmanufakturen. Zur Geschichte Weidens als Stadt des Porzellans gehört auch die Porzellanfabrik Bavaria AG Ullersricht. Sie entstand 1920, wurde aber Opfer der Weltwirtschaftskrise 1929 und deren Folgen – und verschwand bereits 1933 vom Markt. 

Weiden: Beeindruckende Keramik-SchĂ€tze aus sieben Jahrtausenden 
Die Geschichte der Keramik reicht Jahrtausende bis in die Antike zurĂŒck. Viele kostbare SchĂ€tze bewundern Besucher heute im Internationalen Keramik-Museum in Weiden in der Oberpfalz. Keramik aus ĂŒber sieben Jahrtausenden, unterschiedlichster Technik — von einfacher Irdenware, Fayencen ĂŒber Steingut, Steinzeug bis zu feinstem Porzellan – aus den verschiedensten Gegenden der Welt sind Teil der umfangreichen Ausstellung. 
www.weiden-tourismus.info

Eine Kristallschale fĂŒr die Jordanische Königin

Eine besondere, mehr als einen halben Meter im Durchmesser große und rund 20 Kilogramm schwere Kristall-Schale können Besucher im Stadtmuseum Neustadt an der Waldnaab bestaunen: Bayerns damaliger MinisterprĂ€sident Franz Josef Strauß ĂŒberreichte die gleiche Schale 1978 an die jordanische Königin Nur-Al-Hussein.
 

PrunkstĂŒck der Bleikristall-Sammlung im Stadtmuseum und somit die beeindruckendste Zeugin fĂŒr die große Geschichte Neustadts als „Stadt des Bleikristalls“ aber ist eine rund ein Meter hohe Kristallvase in Goldrubin
An der Herstellung der 32 Kilogramm schweren JubilĂ€umsvase, die 1984 zum 150. Geburtstag des NeustĂ€dter Unternehmens Nachtmann entstand, waren 18 Glasmacher und Glasschleifer beteiligt, unter anderem der Designer und Graveur Franz Rössler, Glasschleifer Michl Kurz und Graveur Erich Stöhr. Zu den besonderen Höhepunkten des Museums gehört auch ein 110 Jahre altes, handgeschriebenes Rezept zur Herstellung von Bleikristall. 
Die Glassammlung, die heute GĂ€ste im Museum fasziniert, gestaltete Alfred Puchinger, der ehemalige Prokurist des Unternehmens Nachtmann. Die Ausstellung spiegelt Neustadts Geschichte als „Stadt des Bleikristalls“ wider. Im Jahre 1834 hatte der Glasmacher Michael Nachtmann das Unternehmen F.X. Nachtmann im Bayerischen Wald gegrĂŒndet. Im Jahre 1900 verlegte der Betrieb seinen Sitz dann nach Neustadt. Es war die Zeit, als die Eisenbahn den Transport der fĂŒr die Glasindustrie so wichtigen Rohstoffe Holz und Kohle auch ĂŒber weitere Strecken ermöglichte und Betriebsansiedlungen jenseits des holzreichen Bayerwalds und der böhmischen Kohlereviere möglich und interessant wurden. 
Neben der Firma Nachtmann produzierten in Neustadt weitere GlashĂŒtten: Schrenk & Co (Spiegelglas) sowie Tritschler, Winterhalder & Co (Bleikristall). Die Wirren der Zeit ĂŒberdauert hat nur der Glanz der Nachtmann-GlĂ€ser. 

In Neustadt befindet sich bis heute die Unternehmenszentrale und auch eine von drei ProduktionsstĂ€tten. Seit 2004 ist die Nachtmann Crystal AG ein Teil des Unternehmensgruppe Riedel Glas — und weltweit erfolgreich. Mit 180 Jahren Handwerkstradition im RĂŒcken begeistert Nachtmann Kristall Wein-, Whiskey- oder Cocktail-Liebhaber heute insbesondere durch seine Brillanz und perfekte Verarbeitung. 
www.neustadt-waldnaab.de

Eine "GlÀserne Kathedrale": VisionÀre Industrie-Architektur

Das GebĂ€ude, das der Bauhaus-GrĂŒnder Walter Gropius in der Oberpfalz schuf, gilt als architektonische Meisterleistung und als einmaliges Industriedenkmal. Walter Gropius war zwar kein Amberger. FĂŒr die Stadt in der Oberpfalz aber schuf er mit der 1970 eröffneten, so genannten Glaskathedrale ein Bauwerk, das bis heute fasziniert.
 

PĂŒnktlich zum 50. Geburtstag im Jahr 2020 entstand der Ausstellungsraum „Erlebnis Glaskathedrale Amberg“. Dort können Besucher die Geschichte des GebĂ€udes in einer moderierten Multimedia-Show erleben. 
Das HerzstĂŒck der Anlage ist die ĂŒber 100 Meter lange Schmelzofenhalle. 

Die markante Form des Daches und des Giebels waren gemeinsam mit dem verarbeiteten Werkstoff der Namensgeber fĂŒr den Beinamen „Glaskathedrale“. Die DachflĂ€chen und das Mittelschiff sind aus Beton und Glas. Sie erheben sich — durch die die bewusste Anböschung und AufschĂŒttung unmittelbar an den Flachbauten — aus der RasenflĂ€che bis zum Giebel. Durch diese Bauweise gelangt viel Tageslicht in das Glaswerk. Das Industriebauwerk ist ein Paradebeispiel fĂŒr das Gestaltungsprinzip „form follows function“. UrsprĂŒnglich wurde die „glĂ€serne Kathedrale“ als FirmengebĂ€ude der Firma Rosenthal gebaut. 

Ausgangspunkte fĂŒr die Planung des 1970 eröffneten Glaswerkes mit einer bebauten FlĂ€che von 11.500 Quadratmetern und 44.500 Kubikmetern umbautem Raum waren drei Forderungen, wie in der Ausgabe 1/1971 des Architekturmagazins „DETAIL“ nachzulesen ist: 

„1. Hier sind alle technischen Stufen der Glasproduktion, von der Herstellung des mundgeblasenen Glases ĂŒber die Press- und Halbautomatik bis zur vollautomatischen Erzeugung von WirtschaftsglĂ€sern, vereint. 
2. Die Produktion von 24%-igem Bleikristall, Kaliglas und Farbglas sowie die Dosierung und Mischung des Gemenges in einer elektronisch gesteuerten Anlage setzt einen reibungslosen Materialfluss und damit auch klare ArbeitsablĂ€ufe voraus. 
Ebenso erfordert die vollautomatische Regelung der Temperaturen und OfenatmosphĂ€ren besondere Voraussetzungen. FĂŒr den Arbeitnehmer waren Umweltbedingungen zu schaffen, die sich entscheidend abheben von den ĂŒberkommenen, stark belastenden Bedingungen in der Glasindustrie, wo bisher die Belastungen des Arbeitnehmers, bedingt durch die extremen Temperaturen, außerordentlich hoch waren.“ 
Im Mittelpunkt des Baus stand auch eine rasche und störungsfreie WĂ€rmeabfuhr. Diese sollte den GlasblĂ€sern die schweißtreibende Arbeit etwas erleichtern. 

Architekturhistoriker sind sich heute einig: Gropius schuf hier ein herausragendes Beispiel an modernem Funktionalismus. Heute befindet sich das FirmengebĂ€ude im Besitz der Firma Riedel Glas. FĂŒr das Umfeld der ProduktionsstĂ€tte entwarf Gropius auch einen WohngebĂ€udekomplex mit fĂŒnf HĂ€usern — gebaut wurden hier jedoch nur zwei. 

Die Kathedrale ist das letzte Werk des weltweit tĂ€tigen Architekten und Bauhaus-GrĂŒnders, der 1969 in Boston in den USA verstarb. 
Ein Besuch der Glaskathedrale ist mit vorheriger Anmeldung im Rahmen einer FĂŒhrung möglich. 
tourismus.amberg.de 
www.stadtmuseum-amberg.de
glaskathedrale/fuehrungen-guided-tours

Auf den Spuren der Glasschleifer wandern

Es ist eine Zeitreise auf 78 km LĂ€nge: Im Naturpark Nördlicher OberpfĂ€lzer Wald wartet auf Wanderer ein Rendezvous mit der Geschichte. In fĂŒnf Etappen folgt der Glasschleifererweg den bis heute erhaltenen und gut sichtbaren Spuren der großen Handwerkstradition, die die Region prĂ€gte. 
 

Vor ĂŒber 300 Jahren ließen sich französische FlĂŒchtlinge in der nördlichen Oberpfalz nieder und begannen mit der Herstellung von Spiegeln. Dazu war geschliffenes Glas notwendig: So entstanden entlang von FlĂŒsschen und BĂ€chen aus frĂŒheren EisenhĂ€mmern oder MĂŒhlen die ersten Schleif- und Polierwerke. 

An deren Ufern begegnen Wanderer ĂŒber zwanzig ehemaligen Glasschleif- und Polierwerken. Sie alle nutzten die Energie des Wassers zur Glasveredelung. 

Der Rundweg fĂŒhrt in fĂŒnf Etappen durch eine sanfthĂŒgelige Mittelgebirgslandschaft entlang der FlĂŒsschen Pfreimd, Goldbach, Tröbesbach und Zottbach. Entlang des Zottbaches weisen heute noch die Ortsnamen auf die Betriebe hin – wie PingermĂŒhle, Peugenhammer, HagenmĂŒhle oder Neuenhammer. 
Die meisten hiervon waren zwischen dem 19. und der Mitte des 20. Jahrhunderts Schleif- und Polierwerke. Diese sind noch heute soweit erhalten und an den dafĂŒr charakteristischen großen LĂ€ngsgebĂ€uden am Bach erkennbar An dem reizvollen Weg entlang der Grenze zur Tschechischen Republik liegt außerdem der Ort, fĂŒr den die erste GlashĂŒtte der Oberpfalz aus dem Jahr 1487 bezeugt ist: Frankenreuth. 

Die Markierung des Weges zeigt ein Kristallglas auf weinrotem Grund. Die rote Farbe versinnbildlicht den Polierstaub, das so genannte PotĂ©e. Eine noch gangbare Glaspolier steht in der HagenmĂŒhle bei Pleystein. Erhalten ist dort als Teil der historischen Spiegelglasschleiferei ein Raum , in dem bis zum vergangenen Jahrhundert die zunĂ€chst unebenen Flachglasscheiben auf Schleiftischen durch mit Wasserkraft betriebene Schleifblöcke glatt geschliffen wurden. Der ganze Raum ist ĂŒberzogen von dem rötlichen PotĂ©epulver, das fĂŒr das Polieren der Scheiben mit dicken Filzplatten benötigt wurde. 

  • Ausgangspunkt der Wanderung ist die seit ĂŒber 160 Jahren bestehende MĂŒhle Gehenhammer bei Georgenberg. 
  • Entlang der Route ĂŒber Pleystein, Moosbach, Burgtreswitz, Tröbes, Eslarn und Waidhaus begegnen Wanderer immer wieder dem Thema Glas. 
  • Ein Ein- oder Ausstieg ist in allen Orten entlang der Stecke möglich. 
    www.oberpfaelzerwald.de/*glasschleifererweg

Irlbacher Blickpunkt Glas: 

GlÀserne "Hightech" aus Europas historischem Glasschleiferzentrum

Es gibt kaum ein Handwerk, das Böhmen und Bayern lĂ€nger verbindet als die Arbeit mit dem Rohstoff Glas. Böhmische HĂŒttenbetriebe lieferten ihr Glas schon vor zweihundert Jahren nach Bayern, wo es findige OberpfĂ€lzer Glasschleifer bearbeiteten, veredelten und sich schnell im gesamten Deutschen Reich einen Namen machten.
 

Viele der GlashĂŒtten im Böhmerwald mit ihren heißen Feuern und den weithin sichtbaren Öfen und auch die Glasschleifer-Stuben im Osten Bayerns sind heute Attraktionen fĂŒr Touristen. Denn die Glasindustrie ist heute ein Hightech- Handwerk, das weitestgehend hochmoderne Maschinen ĂŒbernehmen. In Ostbayern ist sie bis heute zu Hause geblieben, wenn die Zeiten auch schwieriger und die Konkurrenz rund um den Globus grĂ¶ĂŸer geworden sind. 
Ein Unternehmen aus Schönsee im Landkreis Schwandorf hat die alte Handelstradition erfolgreich ins 21. Jahrhundert getragen und lĂ€sst den bayerisch-böhmischen Glashandel wieder aufleben – allerdings ganz anders als zu Zeiten der UrgroßvĂ€ter. 

Die Unternehmensgruppe Irlbacher, die auf fast neun Jahrzehnte Geschichte zurĂŒckblickt, macht aus Flachglas ein Hightech-Produkt. Die Anfangsjahre von Irlbacher gleichen der Geschichte vieler Betriebe in der böhmisch-bayerischen Grenzregion: Johann Irlbacher grĂŒndet 1935 in Dietersdorf unweit der Grenze zu Böhmen eine Glasschleiferei. Nach den Wirren des Krieges nimmt dessen Sohn Josef den Betrieb wieder auf: elektrische Schraubsicherungen, Glasabdeckungen fĂŒr die Tasten von Schreibmaschinen, Dia-GlĂ€ser. 
Anfang der siebziger Jahre nimmt der Sohn des GrĂŒnders und heutige Seniorchef Josef Irlbacher junior das Schicksal der kleinen Glasschleiferei in seine HĂ€nde. Rund zehn Frauen schneiden zu dieser Zeit jeden Tag 30.000 bis 35.000 GlĂ€ser – in Handarbeit. Die Wirtschaftskrise trifft das kleine Familienunternehmen. Neue AbsatzmĂ€rkte mĂŒssen her. Irlbacher stellt den Betrieb von Hand- auf Maschinenfertigung um. 
Das Unternehmen produziert jetzt fĂŒr MessgerĂ€te, Armaturen und die Leuchtenindustrie – und beginnt eine intensive und bis heute erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Mainzer Unternehmen Schott-Glas. Das Konzept geht auf: Ende der achtziger Jahre hat das Unternehmen 65 Mitarbeiter und grundsolide Aussichten fĂŒr die Zukunft. 
Aber in diesen Monaten passiert etwas, das niemand vorausgeahnt hatte: Der Eiserne Vorhang, der seinerzeit beinahe in Sichtweite zu den Produktionshallen verlĂ€uft, bekommt ĂŒber Nacht Risse. „Plötzlich waren wir in Schönsee nicht mehr das Ende der Welt, sondern BrĂŒckenkopf zu den neuen MĂ€rkten in Tschechien und Osteuropa“, erinnerte sich Seniorchef Josef Irlbacher einmal an diese bewegte Zeit. Er ergreift die Chance und baut schon 1991 erste Kontakte in die Tschechoslowakei und nach Ungarn auf. Es sind Netzwerke, von denen Irlbacher bis heute profitiert. 

Ein Schwerpunkt: HitzebestĂ€ndige GlĂ€ser rund um den Kaminofen, die Temperaturen von bis zu 700 Grad Stand halten. Heute ist der tschechische Markt fĂŒr Irlbacher einer unter vielen. 
Und doch hat Josef Irlbacher zu den direkten Nachbarn eine ganz besondere Beziehung. Dass die weithin sichtbaren Glasfassaden des bayerisch-böhmischen Kulturzentrums „Centrum Bavaria Bohemia“ in seinem Heimatort Schönsee aus dem Hause Irlbacher stammen – fĂŒr den BrĂŒckenbauer Irlbacher Ehrensache. 
Betriebswirtschaftlich ist Irlbacher heute ein Vorzeige-Unternehmen: 
In den vergangenen zehn Jahren haben sich der Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter mehr als verdoppelt. Gut 600 Menschen stehen heute bei Irlbacher in Lohn und Brot. Im zweistelligen Millionenbereich investierte Irlbacher am Standort Schönsee in die Zukunft. Irlbacher gehört heute zu den fĂŒhrenden europĂ€ischen Unternehmen im Bereich der Spezialglas-Veredlung. 
Die AbsatzmĂ€rkte fĂŒr diese Spezialprodukte liegen vor allem in der Kaminofen-, Leuchten-, HausgerĂ€te-, SanitĂ€r-, Medizin- und optischen Industrie, sowie in der GebĂ€udetechnik. Innovationen wie das patentierte „schaltbare Glas“, wo elektrische Schaltungen auf das Glas gedruckt werden, oder „LED on Glass“ revolutionierten und revolutionieren die GebĂ€udetechnik. 

Renommierte Unternehmenspreise wie der Bayerische GrĂŒnderpreis, der Innovationspreis des Mittelstandes oder die mehrfache Platzierung unter Bayerns „Best 50“ oder das Siegel „Innovativ durch Forschung“ – zuletzt 2020/2021 – bestĂ€tigen den Weg der Irlbachers, wo heute mit den beiden Söhnen GĂŒnther und Stephan die nĂ€chste Generation am Steuer sitzt. 
www.irlbacher.com 

www.vg-schoensee.de

GlÀsern-StÀhlerndes Gedenken an den 11. September

Der StahltrĂ€ger mit dem Namen „Artefakt # H-0031a“ ist das einzige Stahlteil in Deutschland aus Überresten der bei dem Terrorakt zerstörten ZwillingstĂŒrme. Es ist heute Teil eines besonderen Mahnmals im OberpfĂ€lzer Wald. Es ist ein kaum bekanntes Kuriosum und bei Besuchern noch immer ein echter Insidertipp: 

Die kleine Stadt Oberviechtach ist der einzige Ort Deutschlands, der eines von weltweit nur rund 1.000 freigegebenen TrĂŒmmerteilen von den AnschlĂ€gen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 erhielt. 

Der StahltrĂ€ger ist knapp zwei Meter lang und wiegt rund 650 Kilogramm. Er wurde aus den TrĂŒmmern in New York geborgen. 

Seinen Weg nach Oberviechtach fand das Relikt zehn Jahre spĂ€ter im Jahr 2011. Möglich machten das die guten Kontakte des Oberviechtachers Martin Zimmermann, dem langjĂ€hrigen Vorsitzenden des Vereins German American Firefighters and Friends. Über diese Gemeinschaft knĂŒpfte Zimmermann Kontakte und Freundschaften zu New Yorker Feuerwehrleuten – und holte „H-0031a“ letztlich in den OberpfĂ€lzer Wald. 

Die PlĂ€ne fĂŒr das „9-11 WTC Memorial Oberviechtach“ entwarf Rainer Wild, Kassenwart des Vereins der deutsch-amerikanischen Feuerwehrfreundschaft. Die MĂŒnchner Abendzeitung berichtete 2011 ĂŒber die „große NervositĂ€t“ des gelernten Industriemechanikers. Denn, so sagte er damals: „Ein Denkmal plant man ja vermutlich nur einmal im Leben.“ 

Wild kombinierte den StahltrĂ€ger mit den heimischen Materialien Glas und Granit. Sein Ziel: so eine Verbindung zwischen New York und der OberpfĂ€lzer Heimat zu schaffen. 

In einer feierlichen Zeremonie fand am 8. Oktober 2011 die EnthĂŒllung und kirchliche Segnung des Mahnmals in der Oberviechtacher Allee statt. Das Stahlteil hat auf einem Granitsockel seinen Platz gefunden. Zwei glĂ€serne Stelen symbolisieren die zerstörten TĂŒrme des World Trade Centers. Die Initiatoren des Erinnerungsorts wollen es nicht nur als Ort des Gedenkens an die Katastrophe verstanden wissen, die vor 21 Jahren fast 3.000 Opfer forderte, sondern als Symbol gegen Terror und Extremismus weltweit. 
oberviechtach.de

Furth im Wald: "GlĂ€sernes Know-How" fĂŒr die Autos der Welt

Seit mehr als 300 Jahren prĂ€gt der Werkstoff Glas die Stadt Furth im Wald an der bayerisch-tschechischen Grenze. Bereits 1707 entstand im nahen Fichtenbach die erste GlashĂŒtte. 

Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert grĂŒndeten 1882 Alois und Eduard Kupfer zusammen mit ihrem Schwager Sigmund Glaser, Besitzer der ehemaligen Glasfabrik in Fichtenbach, in Furth im Wald eine Glasfabrik, die sich vor allem auf die Herstellung von Spiegelglas spezialisierte. Auch wĂ€hrend des ersten Weltkriegs konnte beinahe der gesamte Betrieb aufrechterhalten werden. 
Nach dem Bau einer Spiegelglaswanne 1923 gelang es in einem fĂŒr ganz Europa erstmals eingefĂŒhrtem Verfahren durch Schöpfen und Auswalzen der Glasmasse Spiegelrohglas und Kristallglas herzustellen. Die Zeit verlangte von den Glasmachern, Kompromisse zu machen: In den Nachkriegsjahren wurden im Werk auch KonservenglĂ€ser und Flaschen hergestellt. 1953 ging in Furth im Wald das erste Spiegelbelegfließband Deutschlands in Betrieb. 

Eine breite Palette an verschiedensten Erzeugnissen sicherte auch in Krisenzeiten immer wieder das Überleben des Further Glaswerkes. So wurden in den sechziger Jahren beliebte Pfennigartikel produziert, die sich in KaufhĂ€usern großer Beliebtheit erfreuten. Zu einem bedeutenden AushĂ€ngeschild des Further 
Glaswerks entwickelte sich danach die Solarthermie. 1976 begannen die Glasexperten in Furth mit der Entwicklung von Solarreflektoren und gebogenen PrĂ€zisionsspiegeln fĂŒr Solarkraftwerke. Die ersten Solarkraftwerke in Kalifornien und Nevada arbeiten bis heute sehr zuverlĂ€ssig mit Spiegeln aus dem Bayerischen Wald. 

Der Standort Furth im Wald ist heute der fĂŒhrende Technologiestandort der Flabeg-Gruppe. Als fĂŒhrender Hersteller von Spiegeln und unsichtbaren AbdeckglĂ€sern fĂŒr Anzeigeinstrumente garantiert Know-how aus Furth im Wald mehr Sicherheit und weniger Stress auf den Straßen der Welt. 

Auf dem Können aus der Oberpfalz basieren wegweisende Innovationen wie die Strahlteiler- Technologie. Mit ihr können wichtige Informationen – Navigation, Einparkhilfe, Warnsignale – auf dem Innen- oder Außenspiegel angezeigt werden. 

Neugestaltete Ausstellung „Grenzerfahrungen“ im Landestormuseum
Die Grenze zwischen Bayern und Böhmen mit ihrer zeitgeschichtlichen Auswirkung ist das zentrale Thema der neugestalteten Ausstellung „Grenzerfahrungen“ im Landestormuseum. Die Ausstellung verdeutlicht die Grenzerfahrungen in und um Furth im Wald im Laufe der Jahrhunderte – mal ist die Grenz verschwunden, mal undurchdringbar – immer jedoch hat sie sich unmittelbar auf das Schicksal der Menschen in der Region ausgewirkt. Sechs Abschnitte beschĂ€ftigen sich mit Schlaglichtern der gemeinsamen Vergangenheit von der Zeit der Hussitenkriege ĂŒber die Zeit der Glasmacher bis in die Gegenwart. 
www.landestormuseum.de
furth.de

Eine einzigartige Symbiose aus Natur, Energie, Kund und Glas

Ein besonderes Projekt verbindet im Lamer Winkel auf besondere Art große Handwerkstradition mit der Kraft und Energie der Natur: die Natur-Art-Parks in Arrach. Auf kurzen SpaziergĂ€ngen und Wanderungen entdecken Besucher seit 2009 Erlebniswelten, die Geschichte und Gegenwart in den Fokus rĂŒcken. 

Bereits von weitem grĂŒĂŸen die Kunstfelsen „Rauchröhren“ im Arracher Seepark. Sie sind im Maßstab 1:7 ihren Vorbildern auf dem Kaitersberg nachempfunden. 

Neben dem Stein ist es das Glas, das an vielen Stationen der Natur-Art-Parks eine wichtige Rolle spielt: Auf dem rund dreieinhalb Kilometer langen „Klima- Terrain-Weg“ folgen GĂ€ste einer kunstvollen Beschilderung aus glĂ€sernen Elementen und sehen, wie KĂŒnstler die BrĂŒcke zwischen Natur und Kunst schlagen. Kunstobjekte mit interessanten Titeln wie „Das Leben nach dem Sturm“ oder „Lichtgestalt“ begleiten den Besucher auf dem Rundweg, der seinen Beginn im Arracher Moor hat. 
Von dort aus fĂŒhrt der Weg vorbei an der alten Ziegelbrennstelle zum Energie-Park „Gut Kleß“, einem weiteren Highlight in den Natur-Art-Parks 
Vom „Gut Kleß“ fĂŒhrt der Rundweg weiter ĂŒber den Kleßbach, vorbei an der historischen, heute nur noch in Ruinen sichtbaren steinernen BrĂŒcke zu einer Kunstsattlerei und einem Bio-BĂ€cker im Luftkurort Arrach. Auf dem Drexler-Hof tauchen Besucher dann in eine vielfĂ€ltige Museumswelt ein: Neben einem Mineralienmuseum laden ein Handwerksmuseum, ein Holzkunstmuseum und die Bayerwald-Spirituosen-Brennerei zu einer Entdeckungstour ein. 
Auf dem RĂŒckweg zum Seepark kommen Besucher am Arracher Glastor vorbei, das heute als Symbol der Ostbayerischen Glasstraße steht. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl signierte das Tor anlĂ€sslich der Eröffnung der Ferienstraße bei seinem Besuch in Arrach 1997 persönlich. 

Wer noch mehr Naturgeheimnisse entdecken möchte: 5.000 Jahre Naturgeschichte lassen sich auf dem Moorlehrpfad im Arracher Moor erkunden. Auch ĂŒber das MoorgelĂ€nde verstreut finden sich thematisch aufbereitet glĂ€serne Kunstwerke. 
Der gesamte Bereich der Natur-Art-Parks ist heute auch beliebtes Ausflugsziel fĂŒr die Kinder in bayerischen Schulen. Als „grĂŒnes Klassenzimmer“ leisten sie einen wichtigen Beitrag, um Kinder und Jugendliche an die Natur und die Tradition im Bayerischen Wald heranzufĂŒhren. Interessierten GĂ€sten bietet der Luftkurort Arrach bei FĂŒhrungen im Arracher Moor die Möglichkeit, mehr ĂŒber dieses einzigartige Projekt zu erfahren. 
www.lamer-winkel.bayern

Der Wanderweg "GlĂ€serner Steig": 

Auf 99 faszinierenden Kilometern durch die filigrane Welt des Zerbrechlichen

Die Magie des Glases inspiriert heimische KĂŒnstler sowie Meister aus der ganzen Welt und begeistert entlang der Glasstraße in Ostbayern in „Deutschlands grĂ¶ĂŸter Freiluftgalerie“ seit 25 Jahren jedes Jahr Millionen Urlauber. Auf dem „GlĂ€sernen Steig“ lĂ€sst sich der Zauber des zerbrechlichen Werkstoffs vor der beeindruckenden Kulisse des „GrĂŒnen Dachs Europas“ zu Fuß erleben. 

Über 99 Kilometer fĂŒhrt der GlĂ€serne Steig durch die vielfĂ€ltige und abwechslungsreiche Landschaft des Bayerischen Waldes. 

Vom Lamer Winkel ĂŒber Bayerisch Eisenstein und Zwiesel bis nach Grafenau warten sechs bequeme Tagesetappen durch wildromantische Natur mit großer Geschichte entlang des Weges. 
Der GepĂ€cktransfer von Etappe zu Etappe sowie die urige Gastronomie am Weg garantieren unbeschwerte Wandererlebnisse. 
Bei der Wanderung durch idyllische Landschaften, entlang vertrĂ€umter WaldbĂ€che oder durch dichte BergwĂ€lder ist die Historie dieser Gegend, die Glastradition, immer allgegenwĂ€rtig: 

Die zahlreichen am Weg befindlichen Orte und Weiler, deren Namen auf -hĂŒtte oder -schleif enden, weisen auf ehemalige GlashĂŒtten und Glasschleifen hin. Aber auch viele namhafte, noch in Betrieb befindliche Glasmanufakturen laden zu einer informativen Betriebsbesichtigung oder zu einem Bummel durch die VerkaufsrĂ€ume ein. 
Glasausstellungen in den KĂŒnstlerateliers, die ehemalige QuarzabbaustĂ€tte am Hennenkobel (Kiesau) oder das Glasmuseum in Frauenau runden das reichhaltige kulturelle Programm entlang des GlĂ€sernen Steiges ab. 

Die sechs Etappen der Strecke sind gleichmĂ€ĂŸig auf durchschnittlich 17 Kilometer am Tag verteilt.

  • Ausgangspunkt ist das GlĂ€serne Tor in Arrach. Dort bietet sich Naturliebhabern mit den Bergketten des Ossers, des Kaitersbergs und des Arbers gleich das erste Highlight. Endpunkt der ersten Etappe ist der Glasskulpturenpark in Lohberg. 
  • Die zweite Etappe fĂŒhrt von Lohberg ĂŒber den Kleinen Arbersee nach Bayerisch Eisenstein. 
  • Dort und auch auf der dritten Etappe von Bayerisch Eisenstein nach Rabenstein und – wenn gewĂŒnscht – weiter in die Glasstadt Zwiesel entdecken Wanderer Wald, Wasser und Quarz – die Grundsteine der Glaskunst. Zwiesel begeistert heute mit vielen glĂ€sernen Highlights von der Glaspyramide ĂŒber Glasateliers und die Glaskapelle am Anger. 
  • Auf dem vierten Teilabschnitt von Rabenstein/Zwiesel nach Frauenau durchwandern Besucher das „GlĂ€serne Herz“ des Bayerwalds. Museen und Manufakturen sĂ€umen den Weg. 
  • Die fĂŒnfte Etappe fĂŒhrt von Frauenau nach Spiegelau, das sechste und letzte TeilstĂŒck dann vom Glasmacherort Spiegelau nach Grafenau. Zum Abschluss der Tour auf dem „GlĂ€sernen Steig“ bieten GlaskĂŒnstler und WerksverkĂ€ufe von Kristallglas und Porzellan Gelegenheit fĂŒr unvergessliche, glĂ€serne Erinnerungen an ein besonderes Wandererlebnis auf den Spuren großer Geschichte. 
    www.bayerischer-wald.de
    www.naturpark-bayer-wald.de
    www.bayerischer-wald.org

"Wald-Wellness" mit glÀsernem Panorama

Die Gastgeber an der Glasstraße begeistern heute mit Wellnesswelten, die keine WĂŒnsche unerfĂŒllt lassen. Auch Glas spielt dabei eine Rolle. Mehr als 60 Hotels funkeln mit vier und vier-Sternen-superior am Wellnesshimmel des Bayerischen Waldes – viele davon mit familiĂ€rem Charme. Das „GrĂŒne Dach Europas“ gehört heute damit zu den fĂŒhrenden Wellness-und WohlfĂŒhldestinationen Deutschlands. Der Angerhof in Sankt Englmar gilt seit jeher als Pionier unter den Wellnesshotels. Seit 2020 umfasst der Wellnessbereich nach einer Erweiterung ein einzigartiges „Wald- Spa“ auf rund 30.000 Quadratmetern im Innen- und Außenbereich. 

Die Inhaber-Familie Wagnermayr legte nach eigenen Worten Wert auf Vielfalt, Nachhaltigkeit und RegionalitĂ€t. Die Architektur fĂŒr das neue „WaldSpa“ schöpfte, so die Inhaberfamilie, aus regionalen Ressourcen und Handwerkskunst. 
Es entstanden eine Pfahl-Quarz-Sauna und ein „SĂ€umerwald“ auf Spuren der SalzsĂ€umer, ein „Winterwald“ mit Hagel- und Schneeproduktion sowie ThemenrĂ€ume nach Mythen und Legenden, die sich um Sankt Englmar und den Bayerischen Wald ranken. 
Auch das Thema Glas hat im neuen „WaldSpa“ seinen Platz gefunden: im Ruheraum „GlĂ€serner Wald“ und in der Agnes- Bernauer-Sauna. BĂ€ume sind die Lebensader des Bayerischen Waldes und der regionalen Glaskunst. Der Ruheraum „GlĂ€serner Wald“ bringt Neugierigen das Glas aus dem Bayerischen Wald nĂ€her. Wenn sich das Licht in der roten Baumkrone aus Glas bricht, verzaubert dieser Raum — geschaffen von den GlaskĂŒnstlern des Joska-Glasparadieses — die Sinne und lĂ€dt zum Entspannen ein. Mit „glĂ€sernem Panorama-Blick“ in den GĂ€uboden bis nach Straubing entfĂŒhrt die Agnes-Bernauer Sauna bei 70 Grad Celsius in eine der sagenumwobenen Geschichten des bayerischen Herzogtums. 
Die neuen Wasserwelten verfĂŒgen ĂŒber sieben WasserflĂ€chen, darunter Solegrotte und zwei Infinity-Pools drinnen und unter freiem Himmel. Sie bieten ein Endlos-Schwimmerlebnis mit Fernblick ĂŒber das Donautal bis zur Alpenkette. FĂŒr das kĂŒnstlerisch und gleichzeitig erholsame Wellness-Erlebnis der Superlative zeichnete die Organisation „Leading Spa Resorts“ den Angerhof mit dem Preis als fĂŒhrende Spa- und Wellnesswelt Europas aus, dem „Leading Spa Award“. 
www.angerhof.de
www.urlaubsregion-sankt-englmar.de

Eine "GlÀserne Scheune" als Lebenswerk

Die GlĂ€serne Scheune in RauhbĂŒhl, rund fĂŒnf Kilometer nordöstlich von Viechtach, ist das Lebenswerk des Glasmalers Rudolf Schmid, 1938 in Deggendorf geboren. Er absolvierte 1952 bis 1956 eine Ausbildung zum Glasmaler an der Glasfachschule Zwiesel. Nach seinen Wanderjahren arbeitete er selbststĂ€ndig als Werbegrafiker und Glasmaler. Zwischen 1969 und 1977 gestaltete er 40 WandgemĂ€lde im Bayerischen Wald. Eine Entscheidung im Jahr 1977 sollte sein Leben verĂ€ndern: 

1977 kauften er und seine Frau Margarete einen Bauernhof im Bayerischen Wald. Der Kuhstall wurde zur Galerie umfunktioniert. 
1980 begann Rudolf Schmid, gemeinsam mit seiner Familie, die alte Scheune in ein Kunstwerk zu verwandeln. Seither wurde nicht nur gemalt und gestaltet, sondern auch gegraben, gebaut und geschnitzt. Der KĂŒnstler ließ ĂŒber die Jahre hinweg sieben große GlaswĂ€nde mit einer FlĂ€che von ĂŒber 200 Quadratmetern entstehen
Es sind Traumwelten, auf denen verschiedene Geschichten aus dem Bayerischen Wald zu sehen sind, Welten, die Besucher bis heute in ihren Bann ziehen. 
Die grĂ¶ĂŸten GlaswĂ€nde symbolisieren den Waldproheten MĂŒhlhiasl und den RĂ€uber Heigl. Legende um Legende rankt sich um die Person des weltweit bekannten Waldpropheten und seine Seherkraft. Die „Leben und Prophezeiungen“ haben eine GrĂ¶ĂŸe von zehn mal sieben Metern, die symbolische Darstellung von neun mal sieben Metern. 

Den berĂŒchtigten RĂ€uber Heigl aus dem Bayerischen Wald und sein Schicksal hat Rudolf Schmid teils in symbolhafter Form und teils in Form einer Moritat farbenprĂ€chtig auf Glas gemalt. Den Mittelpunkt des sieben mal sechs Meter großen Werkes bildet der Baum, dem die gesamte Szenerie entspringt. 

Nach seinem eigenen Konzept gestaltete Rudolf Schmid unter anderem die meisten GlasbĂ€ume im GlĂ€sernen Wald: „Ich lebe Glas mit jeder Faser meines Körpers. Wenn ich eine Werkstatt besuche, die in irgendeiner Form mit der Verarbeitung von Glas zu tun hat, erfĂŒllt mich dies mit Ehrfurcht und kommt dem Betreten heiliger Hallen gleich“, sagte er einmal. 

Thematisch bedient der KĂŒnstler ein breites Spektrum – von Darstellungen aus dem tĂ€glichen Leben bis hin zu abstrakten Glasobjekten.

Die Schmids: Eine echte „Glasmaler-Dynastie“ 
Seit dem Jahr 2000 betreiben Schmids Tochter, Barbara Thöner, und ihr Mann Franz die GlĂ€serne Scheune. Die Liebe zur Kunst und zur Glasmalerei teilen neben Tochter Barbara als Betreiberin der „GlĂ€sernen Scheune“ auch die beiden Söhne Rudolf Schmids und seiner Frau Margarete: 

Sohn Rudolf Michael absolvierte wie auch seine Schwester eine Glasmaler-Ausbildung und ist seit 1988 als freischaffender KĂŒnstler selbststĂ€ndig. Sohn Reinhard fuhr zunĂ€chst mehrere Jahre auf einem U-Boot zur See, bevor auch er sich der Glasmalerei zuwandte. Reinhard Schmid perfektionierte die klassische Hinterglas-Technik und beherrscht sie heute wie kein anderer dieser Zeiten. Durch das Einbringen eigener Techniken und Stilelemente kreiert der KĂŒnstler unverwechselbare Werke. Sie sind international höchst anerkannt und haben in Galerien weltweit Einzug gehalten. 

Doch man muss nicht in die Ferne schweifen, um die einmaligen GemĂ€lde von Reinhard Schmid zu bewundern: in seinem Wochenend-CafĂ© Venus in Viechtach lassen sich neben Schmids Kunst auch kulinarische Leckereien genießen. „Das CafĂ© Venus ist Plattform fĂŒr meine Kunst, aber auch das Kunstwerk meiner Frau Karin. Getragen von ihrer fachlichen Kompetenz und Ihrer Erfahrung die sie in der ganzen Welt gesammelt hat, lebt auch sie hier ihre KreativitĂ€t mir großer Leidenschaft und Hingabe“, sagt Reinhard Schmid. 
glaeserne-scheune.de 
www.cafe-venus.de 
www.viechtacherland.de

Ein glÀsernes Tierreich, aus der Flamme geboren

Elefanten, Giraffen und Kamele, EisbĂ€ren und Pinguin, aber auch Igel, Eichhörnchen, Hasen und mĂ€chtige Hirsche: Das Tierreich von Andreas und Eva Fuchs in Drachselsried im Bayerischen Wald wĂŒrde jeden Zoobesucher zum Staunen bringen. Doch die Tiere, die Besucher in der Tierwelt des gebĂŒrtigen ThĂŒringers begeistern, sind aus Glas. 

Der gelernte GlasblĂ€ser sowie Glasgestalter und seine Frau, ebenfalls eine professionelle Glasmacherin, faszinieren heute GĂ€ste aus aller Welt an der Glasstraße mit ihren tierischen Kunstwerken. 
Bereits nach seiner Ausbildung in Neuhaus am Rennweg in ThĂŒringen begann Andreas Fuchs sich auf Tiere aus Glas zu spezialisieren. Er fĂŒhrt das auch darauf zurĂŒck, dass er ein „Waldmensch“ sei:

„Ich bin in der Natur, im Wald aufgewachsen und Waldtiere aus der Heimat sind meine Lieblings-Kunstwerke“, sagt er. Die Inspiration fĂŒr seine Glastiere findet er in Dokumentationen, Filmen, Tierparks, in der Natur selbst, in BĂŒchern und immer wieder auch in GesprĂ€chen mit Kunden, wie er deutlich macht. Dabei hat er im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte im Bayerischen Wald vor allem eins festgestellt: 

„Stilisierte Formen haben sich nicht so verkaufen lassen trotz Anerkennung von Fachleuten“, berichtet er. Deshalb konzentriert er sich gemeinsam mit seiner Frau Eva, die in SiebenbĂŒrgen geboren und aufgewachsen ist, auf eine möglichst naturgetreue Darstellung. „Zudem versuche ich, viel Bewegung in die Figur zu bringen – das ist mein Erfolg“, sagt Andreas Fuchs. 

Vor Ort in der „GlĂ€sernen Tierwelt Fuchs“ erleben Besucher, wie die Glastiere aus der Flamme geboren werden. Die Tiere entstehen aus farbigen GlasstĂ€ben, die vorher in einer GlashĂŒtte in Murano gezogen wurden. In einer Flamme von ĂŒber 2.000 Grad Celsius wird das Glas geschmolzen. „So werden aus dem spröden Glasstab Glastiere mit weichen Formen“, erzĂ€hlt der GlaskĂŒnstler. 

Seit 2003 ist er in Drachselsried zu Hause und knĂŒpft dort an eine lange GlasblĂ€ser-Familientradition an, die bis ins 18. Jahrhundert zurĂŒckreicht. 
www.glaeserne-tierwelt.de
www.drachselsried.de

Ein GlÀserner Zauberwald

Bis zu acht Meter ragen bei Regen im Bayerischen Wald mehr als zwei Dutzend grĂŒn, braun und blau schimmernde Tannen, Fichten, Buchen, Kiefern und Espen in die Höhe. Diese StĂ€mme hat nicht die Natur, sondern Menschenhand geschaffen: Die BĂ€ume in diesem Wald in Niederbayern sind aus feinstem Quarzglas. 
Der „GlĂ€serne Wald“ ist eine Reminiszenz an die Geschichte der Region – der Bayerische Wald trĂ€gt aufgrund seiner „glĂ€sernen“ Historie den Beinamen „GlĂ€serner Wald“ — und an die frĂŒheren Herren der Burg Weißenstein: Sie waren wohl die ersten GlashĂŒttenherren der Gegend. 

Der Initiator und Ideengeber des Projekts, Charly Rödl, und der GlaskĂŒnstler Rudolf Schmid setzten sich intensiv kĂŒnstlerisch mit dem Thema GlĂ€serner Wald auseinander. Entstanden ist dabei ein einzigartiges Kunstwerk, eine „Open-Air-Galerie“ fĂŒr alle Sinne: ein glitzernder, funkelnder, transparenter Wald. 

Der bekannte GlaskĂŒnstler Rudolf Schmid hat sich in Viechtach mit der einzigartigen „GlĂ€serne Scheune“ einen Namen gemacht. 

Auf rund 2.000 Quadratmetern erheben sich ĂŒber 30 GlasbĂ€ume aus acht Millimeter dickem grĂŒn, braun oder blau schimmernden Glas in unterschiedlicher Gestalt. 

Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2000 begeistert die farbenprĂ€chtige Attraktion jedes Jahr tausende Besucher, die bei ihrem Spaziergang durch die einmalige „Open-Air-Glaswelt“ ins SchwĂ€rmen geraten. 

Als besonderes Erlebnis gilt es, die glĂ€sernen Baumriesen bei Nacht zu bestaunen. In den Boden eingelassene LĂ€mpchen verbreiten mit ihrem Licht eine magische AtmosphĂ€re. Die Symbiose aus Glas und Licht lĂ€sst den GlĂ€sernen Wald dann zu einem wahren Zauberwald werden. 

Auch bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sorgt das sich im Glas brechende Licht fĂŒr beeindruckende Effekte. Besonders zauberhaft ist der GlĂ€serner Wald auch im Winter, wenn er von einer dĂŒnnen Frostschicht ĂŒberzogen ist. Die Initiatoren sind sicher: Wer das glĂ€serne Schauspiel einmal gesehen hat, wird sich immer wieder staunend daran erinnern. 
www.regen.de

JOSKA Kristall: TrophĂ€en fĂŒr die Besten der Welt

Ob Weltmeister, Spitzenpolitiker oder Superstars: Wo die ganz großen Siege gefeiert werden, steht sehr oft ein Glaspokal aus Ostbayern mit auf dem Treppchen. 

Filmstars und Politiker wie Arnold Schwarzenegger, seine Heiligkeit der Dalai Lama, Komiker und Moderatoren wie Hape Kerkeling, die frĂŒhere Bundeskanzlerin Angela Merkel, Musiker wie Andreas Gabalier, Formel 1-Fahrer Sebastian Vettel und der Basketballstar Dirk Nowitzki – sie alle haben eins gemeinsam: 

Sie besitzen einen glĂ€sernen Pokal aus dem Bayerischen Wald als Erinnerung an einen ganz großen Sieg oder eine unvergessliche Ehrung. Wenn die Besten gefeiert werden, ob in der Formel 1, bei der Ski-Weltmeisterschaft oder einem ATP-Tennisturnier, stehen sehr oft die Glaspokale von Josef Kagerbauer aus Bodenmais ganz oben mit auf dem Siegertreppchen. 

GegrĂŒndet wurde Joska Kristall Ende 1960 von Josef Kagerbauer senior als Ein-Mann-Betrieb in der Arberseestraße in Bodenmais. Aus den AnfangskĂŒrzeln des Namens des GrĂŒnders ergibt sich der Unternehmensname JOSKA. 

Heute ist das Unternehmen WeltmarktfĂŒhrer fĂŒr Kristallpokale und Pokale aus Glas. So gehören der Women‘s World Award, die FIS Weltcup Kristallkugel, die Vier-Schanzen-Tournee Pokale, die Pokale des Sportpreises des Bayerischen MinisterprĂ€sidenten, der Steiger Award des Arnold Sports Festivals und viele mehr zu den Produkten. 
Die Ideen fĂŒr diese einzigartigen Produkte erarbeitet Josef Kagerbauer selbst, mit der Hilfe eines Teams aus Grafikern und Technikern. Dabei muss jeder Pokal dem Anlass seiner Verleihung entsprechend gestaltet sein. Je nach AusfĂŒhrung kosten die in Handarbeit geschliffenen Pokale zwischen 10 und 10.000 Euro. 

Gefertigt werden die Unikate in einer der modernsten Schmelzanlagen Europas am Hauptsitz in Bodenmais. Die rund 200 Mitarbeiter verarbeiten hier Tag fĂŒr Tag etwa eine Tonne Glas. 

Die Idee zur Fertigung von Glaspokalen hatte Josef Kagerbauer vor etwa 40 Jahren. „Wir wollten die Sieger der örtlichen Skirennen mit einem Produkt aus der Region ehren“, erinnerte er sich einmal. Der große Durchbruch gelang, als in der traditionsreichen GlashĂŒtte eine Technik entwickelt wurde, mit der die Logos der Sponsoren exakt in die Glaspokale eingraviert werden konnten. Wie das genau funktioniert, ist noch heute streng geheim. 

Alle anderen Bereiche der Pokalproduktion können Schaulustige allerdings in der ĂŒber 70.000 Quadratmeter großen Joska-Erlebniswelt in Bodenmais live erleben. Das „mĂ€rchenhafte Erlebnisreich“ rund um das Thema Glas zĂ€hlt jĂ€hrlich bis zu etwa eine Million Besucher. Diese können dort den GlaskĂŒnstlern bei ihrem Handwerk ĂŒber die Schulter schauen. In der GlashĂŒtte können GĂ€ste sich selbst als GlasblĂ€ser versuchen. Keine Sorge: Ein Glasmachermeister hilft beim Blasen der eigenen Glaskugel. 

Eine Attraktion fĂŒr die ganze Familie 
Das „Joska Glasparadies“ ist heute ein Eventzentrum fĂŒr die ganze Familie mit Veranstaltungen wie der Edelstein-Schatzsuche, speziellen Kinderlandtagen oder der Mopedausstellung und dem SuperCar-Weekend. Das große Kinderland mit Abenteuerspielplatz bietet fĂŒr die Kleinen und nicht mehr ganz so Kleinen viele Attraktionen wie einen eigenen Klettergarten oder eine Riesenrutsche. 
www.joska.com
www.bodenmais.de

Glasfachschule Zwiesel: Ausbildung fĂŒr eine glĂ€serne Zukunft

Seit fast 120 Jahren bereitet die AusbildungsstĂ€tte im Bayerischen Wald das Fundament fĂŒr die Glasentwicklung. 
„Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen, fĂŒnf Teile Kreide und du erhĂ€ltst Glas.“ Dieses Rezept ist ĂŒber 2.700 Jahre alt und wurde in der Keilschrift-Bibliothek des assyrischen Königs Ashurbanipal gefunden. 

Entdeckt wurde die Glasherstellung vermutlich schon vor mehr als 7.000 Jahren durch Zufall. Noch immer aber hat der transparente Werkstoff nur einen Bruchteil seiner Geheimnisse und Möglichkeiten preisgegeben. 

Die Glasfachschule in Zwiesel zĂ€hlt zu den bedeutendsten Bildungszentren fĂŒr Glas weltweit. Hier, mitten im Bayerischen Wald, fĂŒhren Glasexperten aus Handwerk, Design und Technik gestalterischer Sicherheit in Form und Farbe und zu technischem Knowhow. 

Namhafte GrĂ¶ĂŸen der Glasindustrie, des Glasdesigns und aus der glastechnischen Forschung haben in den LehrsĂ€len des Zwieseler Bildungszentrums die Schulbank gedrĂŒckt. Dozenten offenbaren den etwa 280 Studierenden die bisher bekannten Geheimnisse des Glases und stellen so nicht selten Weichen fĂŒr die kĂŒnftige Glasentwicklung.

„Die Glastradition ist hier urkundlich seit 1305 nachgewiesen und bis in unsere moderne Zeit ein wichtiger Impuls fĂŒr die Glasindustrie, das Glashandwerk und die Glaskunst geblieben“, sagt Schulleiter Gunther Fruth. 
1904 wurde mit dem Start der Schule fĂŒr die Region ein Meilenstein gesetzt. Die Stadt Zwiesel selbst gab den Anstoß zur GrĂŒndung der „Fachschule fĂŒr die Glasindustrie“. 

Heute ist die Glasfachschule in Zwiesel eine der modernsten und vielseitigsten BildungsstĂ€tten ihrer Art in Europa. 

Vom kunsthandwerklichen Studioglasmacher, dem breiten Spektrum der Glasveredelung mit Malen, Schleifen und Gravieren, der GlasblĂ€serei mit technischen Apparaten oder gestalteten Freiformen, dem technisch orientierten Feinoptiker fĂŒr die Entwicklung von Scannern oder FernglĂ€sern bis zum Produktdesigner fĂŒr die Gestaltung des Glases von morgen umfassen die dortigen Ausbildungsmöglichkeiten ein reichhaltiges Spektrum.

Als Besonderheit dieses „Bildungshotspots fĂŒr Glas“ gilt die Lehr- und VersuchsglashĂŒtte, die neben der Ausbildung und Forschung auch als ProduktionsstĂ€tte fĂŒr die Manufaktur der „Firma Glasfachschule Zwiesel“ wirkt und dabei in höchster Handwerkskunst gefertigte Glasobjekte fĂŒr Galerien und Sammler herstellt. 
In der Fachschule fĂŒr GlashĂŒttentechnik, Optik und Glasgestaltung – dem einzigen glasspezifischen Weiterbildungsweg seiner Art im gesamten deutschsprachigen Raum – vertiefen auch GastschĂŒler aus der ganzen Welt die Theorie und die Praxis der unendlichen Glasvielfalt. 
glasfachschule-zwiesel.de 
www.zwiesel.de

Frauenau: Das "GlÀserne Herz" des Bayerwaldes

Frauenau ist „GlĂ€sernes Herz“ des Bayerischen Waldes und der jahrhundertealten Kultur des Glases in der Region zugleich. Dieses Erbe neu befruchten und die zukunftsfĂ€higen Potenziale der Glastradition zu erkennen und zu nutzen: das sind Ziel und Auftrag des Glasmuseums Frauenau und der einzigartigen "GlĂ€sernen GĂ€rten". 

Auf rund 1.100 Quadratmetern entwickelten Kulturwissenschaftler von 1999 bis 2005 eine vielschichtige, szenische Dauerausstellung, untergebracht in einem architektonisch bewegten Rundbau. Das neue Museum sieht sein Anliegen nicht nur in der PrĂ€sentation seiner Sammlung von GlĂ€sern aus zwei Jahrtausenden – aus den Glasregionen des Bayerischen Waldes, Europas und der Welt. 

Eröffnet wurde das neue Glasmuseum am 10. Juni 2005 und anschließend vielfach gewĂŒrdigt: unter anderem mit der Auszeichnung mit dem Glasstraßenpreis und der Nominierung fĂŒr den Bayerischen Museumspreis. 

SpektakulĂ€r: „Die GlĂ€sernen GĂ€rten“ 
Wie riesengroße Seifenblasen prangen heute 126 durchsichtige Rundkolben an der Fassade des Glasmuseums in Frauenau. 
Nur ein paar Meter daneben liegt ein ĂŒberdimensioniertes Herz wie zufĂ€llig im Gras – blutrot und aus dĂŒnnem Flachglas anatomisch perfekt zusammengefĂŒgt. Die beiden Kunstwerke schlagen die BrĂŒcke vom Glasmuseum hin zu den GlĂ€sernen GĂ€rten von Frauenau

Auf insgesamt 20.000 Quadratmetern landschaftsplanerisch gestalteten FlĂ€chen rund um das Glasmuseum, auf den Arealen der GlashĂŒtten Poschinger und Eisch sowie an der Flanitz- Aue entstand der weltweit erste glĂ€serne Skulpturenpark mit Installationen. 27 international renommierte KĂŒnstler aus acht europĂ€ischen LĂ€ndern haben mit ihren monumentalen Werken aus Glas und weiteren Materialien das weitlĂ€ufige Areal der GlĂ€sernen GĂ€rten auf eindrucksvolle Weise gestaltet. Poesie, Transparenz und Raumerlebnis, Abbild und RealitĂ€t verschmelzen in diesen Projekten zu einem besonderen Erlebnis. 
Ein erholsamer Spaziergang wird zur Reise in eine faszinierende Welt: Die „GlĂ€sernen GĂ€rten“ zeigen die nahezu unendlichen kĂŒnstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Werkstoff Glas auf. Am Eingang begrĂŒĂŸt ein glĂ€serner Baum des tschechischen Meisterglasmachers Petr Novotny die GĂ€ste, dynamisch in der Silhouette, in der Nacht markant leuchtend. 

Ein Sinnbild fĂŒr die Schöpfung: Die GlĂ€serne Arche 
Vor dem Glasmuseum Frauenau finden Besucher ein weiteres spektakulĂ€res Objekt: eine GlĂ€serne Arche, ein fĂŒnf Meter langes und rund drei Tonnen schweres Schiff aus Glas, zusammengesetzt aus 480 miteinander verbundenen Glasscheiben. 
Genauer gesagt handelt es sich dabei um die „Glasarche II“. Die „Glasarche I“, ein Gemeinschaftsprojekt deutscher und tschechischer KĂŒnstler, steht nach einer mehrjĂ€hrigen Reise durch das „Waldmeer“ beiderseits der bayerisch-böhmischen Grenze heute am Berg Lusen. Nach der RĂŒckfĂŒhrung der Glasarche an den Fuß des Lusengipfels, den Ausgangspunkt ihrer Reise, wurde die zweite Glasarche angefertigt, die heute Teil der GlĂ€sernen GĂ€rten in Frauenau ist. 
www.glasmuseum-frauenau.de
www.frauenau.de
www.glasregion-arberland.de

Der Vater der "Poesie aus Glas": Erwin Eisch

Der 1927 geborene GlaskĂŒnstler Erwin Eisch aus dem Bayerwald galt als geistiger Vater der Studioglasbewegung in Europa. Bis heute ist die GlashĂŒtte in Familienhand. Erwin Eischs Lebenswerk ist im Museum zu bestaunen. 

Glas nicht nur als funktionales Material, sondern als Werkstoff, aus dem große Kunst entstehen kann: Was heute selbstverstĂ€ndlich scheint, war Mitte des vergangenen Jahrhunderts ein revolutionĂ€rer Gedanke. KĂŒnstler aus den Vereinigten Staaten galten als Avantgarde der so genannten Studioglasbewegung.

In Europa war es der Niederbayer Erwin Eisch, der selbst einer traditionsreichen Glasmacherfamilie entstammte, der den Gedanken der „Poesie aus Glas“ mitprĂ€gte und zum Wegbereiter der Bewegung in Deutschland und weltweit wurde. 

Das Lebenswerk des im Januar 2022 verstorbenen GlaskĂŒnstlers ist heute im Bayerischen Landesmuseum zur Geschichte der Glaskultur in Frauenau (Kreis Regen) zu sehen. Um die Familien-GlashĂŒtte kĂŒmmern sich Erwin Eischs Nichte Julia, und sein Neffe Eberhard Eisch und Florian Eichinger (4. Generation, Sohn von Julia Eisch). 
Die Glasmacher-Tradition der Familie Eisch ist erforscht bis zu dem 1689 im Böhmerwald geborenen Mathias Alesch, der sich auf der BeschĂ€ftigten-Liste einer kleinen GlashĂŒtte findet. 

Der GrĂŒnder der GlashĂŒtte Eisch, Valentin Eisch, arbeitete seit 1914 als Graveurmeister in einer Kristallglasfabrik. 1946 grĂŒndete er zusammen mit seiner Frau Therese einen eigenen Veredelungsbetrieb, um seinen sechs Kindern eine Existenz aufzubauen. Im Dezember 1952 wurde in der damals jĂŒngsten und kleinsten GlashĂŒtte Bayerns das erste Glas geschmolzen. 
Eines der sechs Kinder war Erwin Eisch. Nach der Ausbildung zum Glasgraveur in der Werkstatt seines Vaters studierte er bis 1952 an der Akademie der Bildenden KĂŒnste MĂŒnchen Glasdesign, Bildhauerei und Innenarchitektur. Danach kehrte er nach Frauenau zurĂŒck. Von 1956 bis 1959 setzte er sein Studium der Bildhauerei und Malerei in MĂŒnchen fort. 

1962 besuchte Harvey Littleton Frauenau, wodurch Eisch einen ersten Kontakt zur amerikanischen Studioglasbewegung erhielt. 1964 erhielt er eine Einladung zum 1. World Crafts Council nach New York City und zum 1. Glasseminar mit Harvey Littleton an der University of Wisconsin. In Frauenau grĂŒndete Eisch 1965 ein eigenes Glasstudio. 
In Anlehnung an Erwin Eischs frei geblasenes Glas entstand 1977 die Unikatserie „Poesie in Glas“: Sammler- und LiebhaberstĂŒcke in fließenden Formen, die mit den verschiedensten Ofen- und Kaltglastechniken zu kunstvollen Objekten gestaltet wurden. Im GrĂŒndungsjahr der Glasstraße, also vor genau 25 Jahren, besuchte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl die GlashĂŒtte Eisch. Erwin Eisch ĂŒberreichte ihm den glĂ€sernen PortrĂ€t-Kopf „Helmut Kohl“. 

Erwin Eisch hat zahlreiche Objekte seines Schaffens bereits frĂŒhzeitig an das Frauenauer Glasmuseum ĂŒbergeben. FĂŒr dessen GrĂŒndung im Jahr 1975 hatte er sich stark engagiert. Das Museum, heute das Bayerische Landesmuseum zur Geschichte der Glaskultur, ist durch „GlĂ€serne GĂ€rten“ direkt mit der GlashĂŒtte Eisch verbunden. 

Das Bild-Werk Frauenau: BĂŒhne fĂŒr GlaskĂŒnstler aus aller Welt 
Durch das Wirken Erwin Eischs, das von ihm maßgeblich mitinitiierte Glasmuseum Frauenau sowie eine rege Glaskunst- und Kulturszene und auch die Ferienregion gilt Frauenau bis heute als europĂ€ischer Treffpunkt der Internationalen Studioglasbewegung. 
Zentrum des Austauschs ist das renommierte Bild-Werk Frauenau, dessen Sommerakademie 2022 ihr 35-jĂ€hriges JubilĂ€um feierte. Das Bild-Werk Frauenau ist ein regionales und internationales Forum fĂŒr Glas und Bildende Kunst, eine BĂŒhne fĂŒr Musik und Kultur und ein Ort der grenzĂŒberschreitenden Begegnung im Glasmacherort Frauenau im Osten Bayerns. 

Das ausdrucksstĂ€rkste Weinglas der Welt“ 
Die Familien-GlashĂŒtte Eisch selbst begeistert heute Kunden in mehr als 60 LĂ€ndern. Mehr als die HĂ€lfte der gesamten Produktion wird heute exportiert. Ein Erfolgsgarant sind dabei die in Frauenau entwickelten und inzwischen vielfach ausgezeichneten „SensisPlus GlĂ€ser“, die die Herzen von Weinliebhabern höher schlagen lassen. Denn in diesen GlĂ€sern erlebe der Wein eine ungeahnte Entwicklung der Aromen, sagt Eberhard Eisch. Der renommierte neuseelĂ€ndische Weinbotschafter Gavin Hubble wĂŒrdigte die Serie einmal als „das ausdrucksstĂ€rkste Weinglas in der Welt“. 
eisch.de 
www.bildwerkfrauenau.de 
www.glasmuseum-frauenau.de
www.frauenau.de

Wenn aus Scherben SchÀtze werden

Mitten im Ort RiedlhĂŒtte an der Glasstraße ist in aufwendiger Handarbeit der 1.500 Quadratmeter große „Wald-Glas-Garten“ der Familie Köck entstanden. Den herausragenden Mittelpunkt der vor zehn Jahren, 2012, entstandenen glĂ€sernen Garteninszenierung bildet die glĂ€serne Baumgruppe aus Fichte, Tanne und Buche — sie ragt mit einer Höhe von rund 10 Metern in den Himmel! Allein ĂŒber 1.000 Glasscheiben wurden fĂŒr die „BlĂ€tter und Nadeln“ der BĂ€ume von Hand hergestellt. Auf dem Boden bevölkert allerlei Getier aus Glas den Garten:

Hirsch und Reh, Fuchs und HĂŒhner, Eulen, Schnecken, Frösche und viele weitere Wesen. Dazu gibt es Kunstobjekte aus Glas zu sehen. Alles GlĂ€serne wurde aus Glasscherben geschaffen, weshalb die Familie Köck ihren Betrieb „Glasscherben-Köck“ nennt. 

„Glasscherben sind unser Rohstoff und wir wollen aus Scherben SchĂ€tze machen“, sagt Florian Köck, Sohn des Initiators Erhard Köck. Die Familie wolle mit dem „Wald-Glas-Garten“ zum einen ein Zeichen fĂŒr die ĂŒber 550 Jahre wĂ€hrende Glastradition des Ortes setzen. „Zum andern wollen wir eine Symbiose aus Glas und Natur schaffen“, sagt Tanja Köck, die Schwiegertochter Erhard Köcks. 

Die Köcks: Ein Leben fĂŒr das Glas 
Seniorchef Erhard Köck leitet heute das Atelier, zu dem mit der „Schatztruhe“ auch eine eigene Galerie gehört. Der gelernte Glasmacher und HĂŒttentechniker – er feierte 2022 seinen 72. Geburtstag – sammelte lange Jahre Erfahrung in der Glasindustrie. 
1986 hatte er die Idee, aus Scherben der heimischen Glasindustrie hochwertige Glasunikate zu schaffen. 1994 baute er seinen eigenen Schamottofen und eröffnete eine eigene kleine StudioglashĂŒtte in seiner Garage Sohn Florian ist heute Inhaber und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Glasscherben Köck. 

Er absolvierte eine Ausbildung zum Glasapparatebauer und KunstglasblĂ€ser an der Glasfachschule in Zwiesel, die er als erster Bundessieger abschloss. Seit September 2000 ist er im Familienbetrieb als Glasmacher und KunstblĂ€ser tĂ€tig. 2010 ĂŒbernahm er das Unternehmen. Schwiegertochter Tanja betreut die GĂ€ste und ist fĂŒr die Organisation zustĂ€ndig. Enkel Kilian gilt als „jĂŒngster Glasmacher Deutschlands“. Heidi Köck, die Ehefrau des Seniorchefs, ist der „gute Geist“ im Verkauf. 
www.glasscherben-koeck.de 
www.sankt-oswald-riedlhuette.com

Spiegelau: Ein halbes Jahrtausend GlÀserne Tradition

Genau 501 Jahre ist es her, dass die GlashĂŒtte Spiegelau zum ersten Mal erwĂ€hnt wurde: im Jahre 1521 im Testament von Erasmus Mospurger. Bekannt und berĂŒhmt war der Ort damals fĂŒr seine feinen und exklusiven Kristallspiegel, die die KönigshĂ€user auf dem gesamten Kontinent zu schĂ€tzen wussten. SpĂ€ter – ab der Mitte des 19. Jahrhunderts – waren es die kunstvoll gestalteten SchnupftabakglĂ€ser, die ihren Siegeszug von Spiegelau hinaus in die Welt antraten. Vor knapp 100 Jahren, im Jahr 1926, erhielt die GlashĂŒtte ihren aktuellen Namen: Kristallglasfabrik Spiegelau

Ob in internationalen Gourmettempeln oder auf den Serviertabletts in der First Class hoch ĂŒber den Wolken: Der Name Spiegelau eroberte im 20. Jahrhundert die Welt. 
Heute ist die Marke Spiegelau Teil des österreichischen Traditions- Glasherstellers Riedel. Zu Riedel Glass Works, dessen Hauptsitz sich in Kufstein in Tirol befindet, gehört seit 2004 neben Spiegelau auch die Marke Nachtmann

Auch wenn vor Ort in Spiegelau heute keine GlĂ€ser mehr produziert werden: Die Glastradition lebt in der Marke weiter. GlĂ€ser von Spiegelau sind bis heute der Inbegriff fĂŒr funktionelle und hochwertige TrinkglĂ€ser aus Kristallglas. Die langjĂ€hrige Erfahrung lĂ€sst die Designer geschmackvolle und dabei alltagstaugliche GlĂ€ser entwickeln. Das Ziel: Genießern eine perfekte Balance zwischen Proportion, Form und Funktion zu bieten.

Seit 2019 gibt es zudem einen Verbindungsweg von Spiegelau in den Nachbarort RiedlhĂŒtte mit dem Thema „Wald trifft Glas“. Kunstobjekte und Informationstafeln weisen dort auf die Geschichte des Glases hin. Einige GlaskĂŒnstler haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Glastradition – wenn auch in anderer Form – wieder aufleben zu lassen. 
Als Top-Adresse fĂŒr Liebhaber edler KristallglĂ€ser gilt heute der Fabrikverkauf in Spiegelau. Das Factory Outlet – untergebracht in der ehemaligen Ofenhalle der Glasfabrik – eröffnet auf einer FlĂ€che von 800 Quadratmetern unzĂ€hlige Möglichkeiten, „glĂ€serne TrĂ€ume“ Wirklichkeit werden zu lassen. 
www.spiegelau.de 
www.ferienregion-nationalpark.de

"Mogst a Bris?"

„Mogst a Bris?“, also „Möchtest Du eine Brise?“, ist seit Jahrhunderten an den Stammtischen des Bayerischen Walds ein viel gehörter Satz. Gemeint ist der Schnupftabak, der nicht nur in Ostbayern eine große Geschichte hat. Den Tabak zu schnupfen hat eine lĂ€ngere Tradition als ihn zu rauchen. 

In der Zeit des 30-jĂ€hrigen Krieges war das Schnupfen besonders auch beim Hochadel en vogue. Die französische Königin Catherina de Medici zum Beispiel schnupfte pulverisierte TabakblĂ€tter, um damit Kopfschmerzen zu linden. 

PopulĂ€r wird das Schnupfen im spĂ€ten 18. Jahrhundert und damit auch die GefĂ€ĂŸe, die man um Aufbewahren des Tabaks braucht. Im Bayerischen Wald entstanden solche AufbewahrungsgefĂ€ĂŸe aus Glas. „Bixl“ werden diese SchnupftabakglĂ€ser bis heute genannt

Das „Bixl“ war immer schon etwas Besonderes, etwas, was sich der Glasmacher in der Freizeit „geschunden“ hat, um es entweder selbst zu sammeln oder einzutauschen oder um es zu verkaufen. Das „Bixl“ war zu Hause in den Hosen- und Jackentaschen, es stand stolz in den WirtshĂ€usern in GlasschrĂ€nken oder direkt auf den Stammtischen. 

Sie erinnerten mit ihren Gravuren und Bemalungen an Festlichkeiten, Personen oder Berufsgruppen. Seit den 1960-er Jahren entwickelte sich das Schnupftabakglas immer mehr zum Sammlerobjekt. 

Das Schnupftabakmuseum in Grafenau— weltweit das erste seiner Art — nimmt Besucher mit auf eine spannende Zeitreise durch die Geschichte der „glĂ€sernen Bixl“: Neben Kostbarem und Kuriosem steht dort heute auch das grĂ¶ĂŸte Schnupftabakglas der Welt. Rund 70 mal 45 Zentimeter ist es groß und ĂŒber 30 Kilogramm schwer. 

Grafenau und den Schnupftabak verbindet eine besondere Geschichte: Mehr als sieben Jahrzehnte – bis zum Ende der Produktion 1974 – genoss der „echte Brasil“ aus der Bayerwaldgemeinde weit ĂŒber die bayerischen Landesgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf. 
www.museum-grafenau.de 
www.grafenau.de

Glasmuseum Passau: "Das schönste Glashaus der Welt"

Kein geringerer als der erste Mensch auf dem Mond war es, der das Glasmuseum in Passau eröffnete: Der US amerikanische Astronaut Neil Armstrong kam am 15. MĂ€rz 1985 dafĂŒr eigens nach Niederbayern. So spektakulĂ€r wie einst die Eröffnung ist bis heute auch die Ausstellungswelt, mit der das Museum Besucher aus aller Welt begeistert: Mit rund 30.000 GlĂ€sern ist in Passau heute die weltgrĂ¶ĂŸte Sammlung EuropĂ€ischen Glases zu sehen mit zum Teil mehr als 350 Jahre alten Exponaten aus Bayern, Böhmen, Österreich und Schlesien. 

Den Schwerpunkt des Museums bildet die HochblĂŒte der Glaskunst im 19. Jahrhundert bis zum Jugendstil. Die große Anzahl von GlĂ€sern ermöglicht detaillierte Einblicke in die Produktion selbst einzelner GlashĂŒtten und deren Entwicklung durch die Jahrhunderte. 
„Ich habe viele Glassammlungen in aller Welt gesehen, doch keine wie diese“, sagte der frĂŒhere tschechische Außenminister Karl FĂŒrst von Schwarzenberg einmal. Und Friedrich DĂŒrrenmatt nannte das Glasmuseum Passau, das offiziell zum „National wertvollen Kulturgut“ zĂ€hlt, „das schönste Glashaus der Welt“. 
Kenner bezeichnen das Haus heute als ein Museum von „Weltgeltung“. 

Das Glasmuseum Passau befindet sich zusammen mit dem Hotel "Wilder Mann" im selben historischen GebĂ€ude am Rathausplatz von Passau. Dort ĂŒbernachteten einst Kaiserin Sisi und spĂ€ter StaatsgĂ€ste wie Michail Gorbatschov und Henry Kissinger. 

„Vater“ und GrĂŒnder des Glasmuseums war der Tittlinger Georg Höltl, eine der schillerndsten Unternehmerpersönlichkeiten Niederbayerns. „Georg Höltl hatte in den FĂŒnfzigern mit seinen Rotel-Tours-Bussen die Tourismusbranche revolutioniert“, schrieb die SĂŒddeutsche Zeitung in ihrem Nachruf auf den Unternehmer und MĂ€zen anlĂ€sslich seines Todes im Alter von 88 Jahren im Jahr 2016. Georg Höltl war Erfinder der weltbekannten „Rollenden Hotels“. 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden dank seiner Innovation Fernreisen zum ersten Mal fĂŒr alle erschwinglich: Die GĂ€ste ĂŒbernachteten im Bus-AnhĂ€nger in speziellen Kabinen und konnten so ohne teure Hotel- und Flugkosten bis nach Jerusalem, Indien, in die Sahara oder nach Feuerland reisen. Ende der 1970-er und Anfang der 1980-er Jahr erwarb Georg Höltl, der selbst ein leidenschaftlicher Sammler war, vier historische PatrizierhĂ€user in der Passauer Altstadt, die heute Museum und Hotel beherbergen. 
Das Familienunternehmen, das aktuell Sohn Peter leitet, betreibt neben dem Hotel „Wilder Mann“ und dem Glasmuseum in Passau mehrere weitere Hotels sowie das Museumsdorf Tittling. Und auch die „Rollenden Hotels“ sind nach wie vor auf den Straßen dieser Welt unterwegs. 
www.glasmuseum.de
www.museumsdorf.com
https://tourismus.passau.de
www.rotel.de